7. Juli 2021

Ein komplexes und anspruchsvolles Projekt für die Mobilitätswende

Das Projekt „Anbindung Ludwigshöhviertel“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der HEAG mobilo. Das bedeutet, dass die Projektleitung sowohl vom Mobilitätsamt der Stadt als auch der Abteilung Straßenbahnnetz der HEAG mobilo gestellt wird. Diana Richter, Kadir Durmaz und Antonia Köhn sind hierfür verantwortlich und wir haben uns mit ihnen über ihre Aufgaben unterhalten.

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Kadir Durmaz (KD): Mein Name ist Kadir Durmaz, ich bin Diplom-Bauingenieur und seit sieben Jahren bei der HEAG mobilo im Bereich Straßenbahnnetz für Infrastrukturmaßnahmen zuständig. Zusätzlich bin ich seit 2020 stellvertretender Betriebsleiter für die Straßenbahn bei der HEAG mobilo. Zuvor war ich bei einem Ingenieurbüro mehrere Jahre für die Planung und Bauüberwachung großer Bahn-Projekte, aber auch Straßenbau- und Straßenbahnprojekte zuständig. Danach habe ich eineinhalb Jahre bei einem Frankfurter Verkehrsunternehmen die Bauherrenfunktion innegehabt.

Antonia Köhn (AK): Ich bin Antonia Köhn und ebenfalls Diplom-Bauingenieur. Im Anschluss an mein Studium habe ich an der TU Darmstadt promoviert. Das Thema öffentlicher Personennahverkehr interessiert mich schon länger und in Frankfurt habe ich erste Großprojekte für die Straßen- und U-Bahn geleitet. Es freut mich riesig, dass ich durch meine aktuelle Funktion auch in meiner Wahlheimat Darmstadt an der Verkehrswende mitarbeiten kann.

Diana Richter (DR): Mein Name ist Diana Richter, ich habe an der TU Darmstadt Bauingenieurwesen studiert und hier meinen Diplomabschluss gemacht. Bei der Wissenschaftsstadt Darmstadt arbeite ich seit Ende 2018 und leite dort im Mobilitätsamt das Sachgebiet „Verkehrsplanung und -management“.

Was sind Ihre jeweiligen Aufgaben im Projekt?

AK: Gemeinsam mit meinem Kollegen Kadir Durmaz bin ich die Bauherrenvertretung und Projektleitung seitens der HEAG mobilo. Für uns heißt das konkret, dass wir die Anforderungen an das Projekt aus allen Abteilungen der HEAG mobilo zusammentragen und ein Auge darauf haben, dass das entsprechend umgesetzt wird. Wir blicken auf das Projekt mit der Brille des Straßenbahnnetzes und versuchen so Chancen und Probleme zu antizipieren. Schließlich vertreten wir das Projekt seitens der HEAG mobilo nach außen, also gegenüber Ämtern, der Öffentlichkeit, Verbänden und anderen Projekten.

DR: Ich bin vonseiten der Wissenschaftsstadt Darmstadt die Projektleitung im Projekt „Anbindung Ludwigshöhviertels“ und vertrete auf Bauherrenseite die Stadt Darmstadt. Dabei blicke ich aus kommunaler Sicht ganzheitlich auf das Projekt auch im Hinblick auf die Mobilität und habe ebenfalls städtische Planungen, die parallel zu dem Vorhaben laufen, im Blick.

Welche Aufgaben hat die Projektleitung in der aktuellen Planungsphase?

KD: Das Hauptanliegen der Projektleitung ist das Herbeiführen einer machbaren, wirtschaftlichen und genehmigungsfähigen Planung. Speziell beim Projekt „Anbindung Ludwigshöhviertel“ gibt es viele Schnittstellen zu parallel laufenden Projekten rund um das Ludwigshöhviertel, die wir im Blick haben müssen. Die Belange der Straßenbahn müssen hierbei ständig geprüft und mit den entsprechenden Schnittstellenprojekten koordiniert und abgeglichen werden.

DR: Zu den wesentlichen Aufgaben gehören neben der Beauftragung der Projektsteuerung sowie des Generalplaners, die Abstimmung und Zusammenführung der Stellungnahmen der einzelnen städtischen Ämter, der Fachabteilungen der HEAG mobilo und externer Beteiligten sowie die Information der Bürger*innen und Interessenverbände. Schließlich obliegen uns auch die Finanzprüfung und Nachtragsverhandlungen mit beauftragten Dienstleistern.

Konkret zum Projekt: Welche Bedeutung hat das Vorhaben aus Sicht der Nahmobilität?

DR: Für uns als Stadt Darmstadt hat das Projekt eine herausragende Rolle im Hinblick auf das neue Wohnquartier Ludwigshöhviertel, aber im Weiteren auch für die Lincolnsiedlung. Es werden hier zukünftig mehrere tausend Menschen leben und wohnen. Diese sollen durch eine moderne Verkehrsinfrastruktur in das bestehende Verkehrsnetz eingebunden werden. Darüber hinaus kommt dem Projekt aber auch eine zentrale Rolle in der Verkehrswende zu, weil wir durch die Straßen- und Straßenbahnplanung bewusst auf eine Förderung des ÖPNV sowie auf den Ausbau von Fuß- und Radwegen setzen.

Und welche Bedeutung hat das Projekt für das Straßenbahnnetz?

AK: Für uns ist es wichtig, die zukünftig rund 3.000 Menschen sowie die 400 Arbeitsplätze optimal an das ÖPNV-Netz anzubinden. Das Projekt trägt dazu bei, den ÖPNV attraktiver zu gestalten und dadurch den Umstieg vom Auto auf die Bahn für mehr Menschen ansprechend zu machen.

KD: Betrieblich ist das Projekt außerdem von herausragender Bedeutung, da es zwei wichtige Äste unseres sternförmigen Straßenbahnnetzes verbindet. Somit ergeben sich mehr Möglichkeiten der Linienführung und die Wege für viele Fahrgäste verkürzen sich – nicht nur im Ludwigshöhviertel. Ganz wichtig für uns ist die Möglichkeit auf Betriebsstörungen flexibler reagieren zu können. Beides bedeutet eine erhebliche Effizienzsteigerung des Netzes bei gleichzeitiger Erhöhung der Attraktivität für unsere Fahrgäste.

Was sind aus Ihrer Sicht die planerischen Herausforderungen?

DR: Das Projekt ist sehr komplex und anspruchsvoll. Es müssen viele verschiedene Planungsaspekte wie Straßenbahnbetrieb, Nahmobilität, Umwelt und Stadtplanung berücksichtigt und zusammengeführt werden. Es ist nicht immer einfach, hier Kompromisse zu finden, aber das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Hinzu kommen die zahlreichen Abstimmungen mit Schnittstellenprojekten, die parallel laufen.

AK: Auch wenn es vor Ort gerade nicht so aussieht: Wir planen hier nahezu im Bestand, da viele Bäume oder auch denkmalgeschützte Elemente erhalten werden sollen. Aber auch die Quartiersplanung gibt hier vieles bereits vor. Zusätzlich gibt es bekannte Zielkonflikte: Die Straßenbahn ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber für den Bau werden Flächen in Anspruch genommen und es finden Eingriffe in die Natur statt.

KD: Ich sehe hier noch die Herausforderung, das technisch Gewünschte mit dem stadtgestalterisch Schönen und umwelttechnisch Notwendigen zu vereinbaren. Es ist eine Abwägung in vielen Bereichen. Wir bewegen uns eben nicht auf der grünen Wiese, sondern alle Beteiligten müssen Kompromisse machen, damit im Sinne umweltfreundlicher Mobilität und der Stadt eine gute Lösung herauskommt.

Was sind die nächsten Meilensteine im Projekt?

AK: Die direkten nächsten Schritte sind der Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Entwurfsplanung.

DR: Danach sind die nächsten Meilensteine positive Beschlüsse des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung, welche im nächsten Jahr durchgeführt werden.

Vielen Dank!

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